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Hans-Joachim Thierbach - Ein Mitgestalter des Lausitzer Seenlandes

Hans-Joachim Thierbach blickt auf seine Arbeit bei der Lokalen Aktionsgruppe zurück

Als Hans-Joachim Thierbach unlängst die Bürotür ins Schloss fallen ließ, war das für immer. Mit einigen persönlichen Dingen und einem Füllhorn voller Erinnerungen verließ der Altdöberner die Geschäftsstelle Lokale Aktionsgruppe (LAG) "Energieregion im Lausitzer Seenland" e.V., wo er als Regionalmanager tätig war. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU berichtet der 65-Jährige vom Glück, an der Gestaltung der Heimat mitgewirkt zu haben, von Begegnungen mit Justus Frantz und Reinhold Messner und vom Sturm des Berliner Rathauses.

Herr Thierbach, zum Jahreswechsel sind Sie in den beruflichen Ruhestand gewechselt. Ihren Job als Regionalmanager der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) haben Sie Michael Franke übertragen. Konnten Sie sich mit dem neuen Tagesrhythmus schon arrangieren?

Der Rückzug aus dem Berufsleben kam ja nicht völlig unerwartet. Ich weiß die Ruhe zu schätzen und zu genießen – meine Frau übrigens auch.
Beide sehnen wir das Frühjahr herbei, um uns Haus und Garten widmen zu können. Aufgrund der beruflichen Verpflichtungen ist auf dem Grundstück zuletzt viel Arbeit liegen geblieben.

Der LAG der Energieregion im Lausitzer Seenland zählt zu den Architekten der Region und Wegbereitern touristischer Entwicklung. Würden Sie diese Aussage bestätigen?

Als Architekten haben wir uns nie gesehen.
Eher als Kontaktadresse und Vermittler, die Mittel zur Projektförderung aufspüren und bei deren Beantragung mithelfen. Der Tourismusbereich umfasst dabei nur ein Feld, bei dessen Bestellung wir mitgewirkt haben.

Und welche Felder galt es noch zu beackern?

Die Erneuerung von Dorfplätzen, -straßen und Vereinsgebäuden, den Um- und Ausbau von Arztpraxen oder Feuerwehrgerätehäusern, den Abriss maroder Gebäude, Sanierungsarbeiten an Denkmälern und Kirchen oder den Komplettumbau von Kindertagesstätten wie in Neupetershain oder Kunersdorf (Gemeinde Neu-Seeland). Alles zu benennen, würde den Rahmen sprengen. Da empfehle ich einen Blick auf unsere Internetseite www.energieregion-seenland.de.

Welche Projekte, denen die LAG zur Seite stand, werden Sie besonders in Erinnerung behalten?

Spontan fallen mir die bereits erwähnten Kindereinrichtungen, die Überdachung des Amphitheaters in Großkoschen und die Sedlitzer Brücke ein. Eigentlich war für das Brückenbauwerk nur ein Abriss vorgesehen, obwohl es eine wichtige Verbindung des sächsischen und brandenburgischen Seenlandes darstellt. Zudem ist die Brücke als Landwirtschaftsweg von Bedeutung. Mit dem Neubau können Radtouristen, Fußgänger und Landwirte weiterhin gefahrlos die Bahnstrecken Dresden-Cottbus und Berlin-Senftenberg wie auch die Bundesstraßen B 169/B 96 überqueren.

Ins Herz geschlossen haben Sie ebenso Klettwitz mit seinem FamilienCampus Lausitz?

Richtig. In Klettwitz war unsere Unterstützung für die Klinikum Niederlausitz GmbH (Antragsteller) gleich mehrmals gefragt. Was die Entwicklungsprozesse vom ehemaligen, unter Denkmalschutz stehenden Bergmannskrankenhaus zu einer modernen Bildungseinrichtung anbetrifft, ist dort Großartiges passiert. Nach Schaffung einer Versorgungseinrichtung, einer Begegnungsstätte und Kapazitäten für ein Internat sind im Objekt eine reittherapeutische Anlage sowie ein Therapiegarten mit Hoch- und Niedrigteilelementen entstanden. Die Entwicklungen zeigen, dass es richtig ist, Fördermittel in den FamilienCampus zu lenken.

Apropos Fördermittel. Welcher Betrag ist bisher in die Energieregion Lausitzer Seenland geflossen?

Diesbezüglich muss in kommunale und private Projekte unterschieden werden. Legen wir die Förderperiode von 2007 bis 2013 zugrunde, flossen über 16 Millionen Euro in 65 bewilligte kommunale Projekte. Hinzu kommen über elf Millionen Euro an Fördermitteln, die in insgesamt 63 private Projekte investiert wurden.

Es gab aber auch Vorhaben, die zum Scheitern verurteilt waren? Das passiert, wenn die Konzepte zu ambitioniert sind oder nicht umgesetzt werden können. Können Sie ein Beispiel nennen?

Der schwimmende Steg über den Altdöberner See. Der Steg zählte zu einer der ersten Visionen der IBA Fürst-Pückler-Land. Zu dieser Zeit wies jedoch der See noch nicht das erforderliche Flutungsniveau aus, zudem verfügte zumindest die Altdöberner Uferseite noch nicht über die entsprechende Stabilität. Ebenso offen blieben die Fragen, wer die spätere Nutzung kontrolliert, aufkommenden Sanierungsbedarf finanziert und ob es aus Sicht des Wassertourismus legitim ist, den See dauerhaft durch einen Steg zu teilen.

Und die Altdöberner tragen diese Entscheidung mit Fassung?

Altdöbern besitzt allein durch sein Schloss- und Parkensemble große Anziehungskraft. Als LAG haben wir dort gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz schon einige Projekte unterstützt. Schloss und Park gewinnen immer weiter an Attraktivität.

Ihr Heimatort und sein Kleinod sind sogar über Landesgrenzen hinaus bekannt...

Das kann man so sagen. Anfang der 1990er-Jahre hatte Literatur-Nobelpreisträger Günther Grass in Altdöbern Quartier bezogen. Zu meiner Bürgermeisterzeit von 1990 bis 2003 hatten unter anderem auch Bergsteiger Reinhold Messner und Musiker Justus Frantz an unsere Rathaustür geklopft.

Seit 1991 leiten Sie die Sitzungen des Arbeitskreises Gräbendorf/Greifenhain, einem Tochterorgan des Braunkohleausschusses...

Damals war klar, dass die Kohleindustrie einzelne Tagebaue schließt. Für uns als Kommunalvertreter war es erstrebenswert, bei den Umgestaltungsprozessen mitzuwirken. Auch wenn sich aller Anfang als schwer erwies.

Inwiefern?

Die ersten zwei Sitzungen waren eine Katastrophe. Meinungen prallten mit aller Heftigkeit aufeinander. Ein erstes Hauptaugenmerk lag darin, zu einer akzeptablen Diskussionskultur zu finden.

Was macht die Arbeit in diesem Arbeitskreis so interessant und spannend?

Die Chance auf Mitgestaltung, die direkten Gedankenaustausche mit Ministerien, Behörden, Kommunalvertretern, dem Bergbausanierer LMBV, aber auch die Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen.

Und auch hier bitte ein Beispiel!

Eines Tages brauste ein Mann namens Ben Wargin im Arbeitskittel in mein Büro und erzählte mir davon, in der ehemaligen Ortslage Gräbendorf ein Schiff aufstellen zu wollen. Das stürmende Eintreten des Aktionskünstlers in Amtsstuben brachte mich selbst einmal in Verlegenheit. Auf dem Transport des Schiffes von Hamburg an den Gräbendorfer See sollte das tonnenschwere Boot im Zentrum von Berlin Zwischenstation einlegen. Um sich das Okay einzuholen, stürmte Ben Wargin, mit mir im Schlepptau ins Büro des damaligen Berliner Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU).

Inzwischen hat der Arbeitskreis 50-mal getagt. Werden Sie auch dort ihre Aktivitäten beenden?

Ich habe dem Gremium angeboten, weiterzumachen. Wenn mich die Mitglieder weiter ertragen wollen, bleibe ich dabei.

Sie waren 14 Jahre als hauptamtlicher und ehrenamtlicher Bürgermeister in Altdöbern tätig. Spielen Sie manchmal mit den Gedanken, nach Abschluss der beruflichen Laufbahn in die Lokalpolitik zurückzukehren?

Auf keinen Fall. Es war eine interessante Zeit, aus der ich insbesondere die ehrlichen und sachlichen Diskussionen in Erinnerung behalten werde. In der Gemeindevertretung dürfen und sollen sich gern junge Bürgerinnen und Bürger bewähren.

Den Posten als Regionalmanager haben Sie an Michael Franke abgetreten. Was haben Sie Ihrem Nachfolger mit auf dem Weg gegeben?

Hinsichtlich einer reibungslosen Übergabe gab es mit Michael Franke bereits eine Abstimmungsphase. Er weiß, welche Herausforderungen auf ihn warten und das einiges an Freizeit geopfert werden muss. Nicht selten können Gespräche nur an Wochenenden geführt werden. Aber er bekommt das hin, ich habe keinerlei Bedenken.


Mit Hans-Joachim Thierbach sprach Uwe Hegewald/LR

 

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